Kontakte schaffen Leben!

Kontakte schaffen Leben e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, die soziale Integration von Behinderten, Senioren und Alleinerziehenden zu fördern. 

Den ersten Eindruck konnte ich mir in einem ersten Telefonat mit dem Gründer des Vereins,  Marcel Ehrlich verschaffen. Er klang bodenständig, bedacht und alles was er am Telefon sagte, hatte seinen Sinn. Auf die Idee, dass er im Grunde schwerstbehindert ist und im Rollstuhl sitzt, wäre ich nie gekommen! Mein erster Eindruck veränderte sich auch nicht, als wir uns vor Ort kennenlernten. Und doch: Eines der prägnantesten Sätze, die Marcel aussprach war:  „Ich bin immer vordergründig der Schwerstbehinderte!“

Marcel Ehrlich

Das machte im ersten Moment traurig, doch im Grunde ist es ein ihm auferlegtes Vorurteil, welches es gilt aus dem Weg zu schaffen. Es mag sein, dass Marcel – wie so viele Menschen auf Hilfe angewiesen ist. Jedoch hat das nichts damit zu tun, dass sie die Welt mit den gleichen Augen sehen wie wir. Sicher, vielleicht oftmals aus einer anderen Perspektive. Vielleicht sogar noch klarer! Denn für uns ist vieles so selbstverständlich. Doch in unserer Gesellschaft, passiert offensichtlich vieles, was wir nicht immer sehen (wollen) mitbekommen oder wahr nehmen.

Feuer hat er in den Augen, wenn er über Menschen spricht, die ihn und somit den Verein und den Menschen, die in diesem Verein eingetreten sind, unterstützen. Er ist stolz unter Ihnen auch eine  prominente Unterstützerin und Befürworterin für seinen Verein gewonnen zu haben und erzählt:  „Wir haben das große Glück, dass uns Stefanie Wall von der Wall AG unterstützt. Sie hatte im Jahr 2015 für unseren Verein eine Plakatkampagne in Berlin initiiert. Dadurch hat sich die Wahrnehmung ein bisschen verändert. Doch um dauerhaft ernst genommen zu werden, ist es offensichtlich noch ein langer Weg! Und ganz ehrlich, von „auf die Schulter“ klopfen, dass wir gute Arbeit leisten, können wir auch nicht existieren!“

Der Verein lud zum Essen ein. Wie jede Woche. Es war ein kunterbunter Mittag und eine ziemlich agile Truppe. Ich wurde zu Tisch gebeten und wurde von allen Seiten bedient.  Als erstes schoss es aus Pascal heraus: Hallo Anita, was hast Du für ein Handycap? Ich musste grinsen, so einszwei Handycaps habe ich auch. Doch, wäre es nicht wert darüber zu sprechen. Wie ich im Laufe des Mittagessens erfuhr ist Pascal blind. Er hatte einen schweren Motorradunfall hinter sich, lag drei Monate im Koma und hat seither etliche Einschränkungen, die sein Leben komplett auf den Kopf gestellt haben. Dennoch, Pascal wirkt fröhlich, zeigt eine ganz große Portion Humor, man kann ihn nur sofort ins Herz schließen.

Im Laufe der Essensrunde kam ich mit einigen ins Gespräch und versuche Euch mit diesen Zeilen diesen Tag ein wenig näher zu bringen. Mich würde interessieren, warum ihr hier seid, in diesem Verein, fragte ich in die Runde.

Marcel stellt mir Sarah gleich zu Anfang vor. Sie ist die ehemalige Schatzmeisterin und war sehr lange aktiv im Vorstand des Vereins KSLev. Noch heute ist sie für den Verein da und kümmert sich, wo sie kann. Auch ihr kann man eine gewisse Komik und Humor nicht absprechen. Sie scherzt offen, ich bin Schatzmeisterin gewesen, da ist nur nichts drin und lächelt. Sie hat es nicht immer leicht, das merkt man ihr an, offensichtlich hängt jedoch dennoch ein ganz großes Stück Herz beim Verein. Sie  betont, dass sie diesen Job sehr gerne macht.  Marcel hat auch immer sehr viele Ideen, erwähnt sie, doch leider könne sie nicht alles umsetzen. Ein wenig Sarkasmus fließt da schon mit rein, doch ich glaube, es drückt letztendlich auch aus, dass der Verein ein neues Erfolgserlebnis benötigt. 

Gegenüber von mir, schräg rechts sitzt Esther, sie ist ein Alltagsengel. Das bedeutet, dass sie sich  für die Menschen im Verein zur Verfügung stellt. Nein, ein Handycap habe sie nicht. Sie ist da, wenn man sie braucht. Sie verändert den Alltag von Mitgliedern durch einen Spaziergang, einen Zoobesuch oder Restaurantbesuch. Oder einfach nur da sein, zum Nachmittagstee, vorlesen oder zuhören.

Gegenüber sitzt Elvira mit ihrer doch schon sehr betagten Mutter. Die beiden möchten einfach nur unter Menschen sein. Elvira nimmt alle zwei Wochen ihre Mutter zum gemeinsamen Essen mit. Sie genießen die Gemeinschaft, erzählt sie. Herzlich sind alle, einige zurückhaltend. Das passt zu der Kernaussage des Vereins. Es geht hier schließlich um soziale Integration. Jeder ist willkommen. Das ist auch das Credo des Vereins. Aus der Isolation heraus. Ob ausgegrenzt, durch Behinderung, Alter oder alleinerziehend. Egal, dieser Verein nimmt Menschen auf, die nicht alleine sein wollen und eine Gemeinschaft zu schätzen wissen. Natürlich gibt es auch eine Whatsapp-Gruppe zum Austausch.

Julia, sie ist von Geburt an blind wirft ein. „Ich habe es sehr lange im Blindenverein versucht, aber der ist einfach zu groß, ich fühle mich dort nicht wohl, hier ist alles familiärer persönlicher. Während sie spricht, zählt sie gerade das Geld aus der Sammelkasse, denn für das Essen packt hier jeder etwas dazu. Ich bin beeindruckt, da Julia blind ist, fühlt sie offensichtlich die Scheine und Münzen. „Kann mal jemand nachzählen bitte und gibt die Sammelkasse weiter. Irgendwie bin ich beschämt, ich habe mir noch nie einen Kopf darüber gemacht, wie nicht sehende Menschen eigentlich Geld zählen.

Rita, sie ist die Mutter von Schatzmeisterin Sarah. Sie ist Rentnerin und seit 2011 Mitglied im Verein.  „Ich will einfach nur helfen und eine Aufgabe haben. Mir macht es Spaß einfach nur da zu sein und mir Zeit zu nehmen, für jeden Einzelnen.“

Detlef, wuselte die ganze Zeit herum. Er hatte das Essen gekocht und die Küche aufgeräumt. Fast zum Schluß nimmt er sich doch noch Zeit für mich. Wie ich erfahre, ist er der goldene Engel dieses Vereins. „Ich mach alles was der Chef nicht auf die Reihe bekommt“, grinst er. Mit einer kräftigen Portion Humor gehen hier offensichtlich alle miteinander um. Das macht trotz vieler Einzelschicksale sehr sympathisch.

Was habt ihr für Wünsche frage ich zum Abschluß? Gemeinsam träumen Sie von einem eigenen Bus, oder einen Abholdienst, der die Mitglieder mit starken Einschränkungen abholt. Marcel sagt spontan: „Uns ist es wichtig, dass wir die Miete für unsere Gemeinschaftsräume halten können“. Auch ein Zebrastreifen ist auf der Wunschliste. Sehr nachdenklich machte mich dann doch zum Schluß die Aussage von Pascal. „Ich wünsche mir, dass wir nicht wie bares Geld behandelt werden. Es gibt Vereine, die stellen so viele Fragen und wollen letztendlich nur wissen, wieviel Geld sie aus dir rausholen können, sei es Fördermittel oder Pflegegelder. Es geht meist nicht um die Person, genau das ist hier bei Kontakte schaffen Leben e.V. anders.

Vielen Dank an den Verein Kontakte schaffen Leben e.V.  und alle, die an diesem Tag dabei waren und uns einen Einblick gewährt haben. Danke auch für die freundliche Bewirtung und das fröhliche Gespräch.

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www.kslev.de –

 

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