Monat: Oktober 2017

Immer mehr Berliner Taxifahrer werden „Hingucker“

Immer mehr Berliner Taxifahrer werden „Hingucker“. Neue Care-Pakete für obdachlose Menschen werden in der Bahnhofsmission gepackt.
Einige hundert Care-Pakete sind bereits verteilt. Um noch mehr Taxifahrer zu „Hinguckern“ zu machen, werden am Freitag, dem 13.10., ab 11:00 Uhr in der Bahnhofsmission neue Pakete gepackt. Neben Taxi24 ist mit Taxi Berlin jetzt auch Berlins größte Taxizentrale an Bord.
„Wir haben von der Aktion gehört und sofort beschlossen mitzumachen“, sagt Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin. „Wir fordern auch all unsere Fahrer auf „Hingucker“ zu werden und obdachlosen Menschen auf Augenhöhe, mit ein paar freundlichen Worten und einem nützlichen Care-Paket zu begegnen“. Es ist auch eine willkommene Gelegenheit die Zusammenarbeit mit Taxi24 auf die nächste Ebene zu heben.

Im Care-Paket enthalten sind nützliche Utensilien, wie Zahnbürste, Einwegrasierer, Pflaster und Hygienetücher aber auch kleine Nettigkeiten, wie Kekse, Kaugummi und Wasser. Außerdem finden sich Informationen für den Taxifahrer, wie er beispielsweise mit einer hilflosen Person umgehen sollte, und für obdachlose Menschen, wo sie Hilfe finden, Kleidung und Essen bekommen oder sich waschen oder untersuchen lassen können. „Hingucker“ erhalten außerdem ein Siegel, welches Fahrgäste dazu animieren soll, über Obdachlosigkeit und die Aktion zu sprechen.

Neue Pakete werden am Freitag dem 13. Oktober 2017 ab 11 Uhr in den Räumen der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo (Jebensstrasse 5, 10623 Berlin) mit Taxifahrern, Freiwilligen, Ismail Kara von Taxi24, Hermann Waldner von Taxi Berlin und dem Leiter der Bahnhofsmission Dieter Puhl gepackt.

Über die Bahnhofsmission haben wir hier einen Beitrag für Euch geschrieben!

Wer Unmögliches macht, kann Mögliches erreichen!

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass man mindestens einmal im Leben etwas Verrücktes machen sollte! 

Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle und für mich eine Aufgabe auf deren Reise ich Euch gerne mitnehmen möchte, da ich Eure Begleitung, Rat, Tat und Unterstützung benötige.

Denkst Du auch immer Du bist alleine? Musst alles selbst lösen? Keiner hilft? Verlässt Dich auch so oft der Mut?

Wenn ich lange nachdenke ob ich ein Projekt umsetze oder nicht, fallen mir immer mehr Gründe ein etwas NICHT zu tun. Doch dieses Mal ist es anders. Ehrlich gesagt, habe ich mich getraut, mich einfach mal von zu vielen Gedanken frei zu machen. Gar nicht so einfach, denn der Zweifel ist immer an meiner Seite. Schnell schleicht sich ein neuer Gedanke ein: „Gehst du nicht zu naiv an dieses Projekt heran?“ Und wisst Ihr was, auch von diesem Gedanken habe ich mich nach geraumer Zeit einfach frei gemacht.

Einfach machen, wie oft habe ich das schon zu anderen gesagt? Nun geht es los in ein Projekt, dessen Ausgang nicht zu bestimmen ist…eine Reise startet! Einfach machen!

Auf den Verein Kontakte schaffen Leben bin ich über den Gründer und Organisator der Christmas Bike-Tour Bernd Masche gestoßen.  Damals fragte ich ihn, ob er mir im Rahmen meiner Projektidee KURZVOR12, einen Verein benennen könne, bei dem es KURZVOR12 ist, bzw. wo man wirklich #mehrhelfen sollte.  Nachdrücklich sagte ich, „bitte nicht einen Verein, der sowieso schon mit viel Geld gesegnet ist. Er verstand sofort und nannte mir zwei Vereine.

Der zweite Verein hat sich nicht bei mir gemeldet, aber der Gründer, Marcel Ehrlich von dem Verein Kontakte schaffen Leben e.V. rief zurück. Das war der Beginn einer Bekanntschaft, ja man kann sogar Freundschaft sagen, die schon bei der ersten Begegnung Spuren hinterlassen hatte.

Wer noch einmal mehr über den Verein und die Anfänge Bescheid wissen möchte, klickt hier weiter.

Im Mai hatten wir den Bericht erstmalig im Printmagazin CLIQUE veröffentlicht. Wie es oftmals bei Interviews ist, verläuft der Kontakt ein wenig in den Sand. Doch hier sollte es anders sein. Marcel und ich sprachen öfters miteinander und er hielt mich über den Verein auf dem Laufenden. So war es unabdinglich, mehr Einblick in das Vereinsleben zu bekommen. Eines Tages gestand er mir, dass er die Räumlichkeiten aufgeben möchte, die Gründe waren mir mehr als verständlich und ich konnte diese Entscheidung sehr wohl nachvollziehen.

Gleichzeitig erzählte er mir, dass er einen neuen Schritt wagen möchte, dies jedoch ohne Hilfe nicht realisieren könne.  Anfangs war ich noch der Meinung, mithilfe seiner Mitglieder und seines Umfeldes könne er doch eine Menge erreichen. Doch er erklärte mir immer wieder, dass in seinem Verein Menschen mit Einschränkungen sind und er ihnen vieles gar nicht auferlegen oder aufbürden möchte. „Der Verein besteht aus Menschen, die behindert, blind, eingeschränkt oder auch einfach nur sehr einsam sind. Viele von ihnen sind mehr als ausgegrenzt und kämpfen mit sich selbst.“

Sein Ziel ist es einfach nur einen Ort zu erschaffen, wo sie hingehen können, nicht alleine sind, so angenommen werden wie sie sind. Keiner stellt groß Fragen, es wird einfach gemeinsam Zeit verbracht. Das ist das Credo dieses Vereins.

Sicherlich, die aktuellen Räume  sind jetzt gekündigt und nur noch bis Januar 2018 verfügbar, dennoch, sein Enthusiasmus und die Intension, die hinter dem Verein steht ist ungebrochen, so  streckte er seine Fühler nach etwas eigenem, autarken aus und wurde fündig.

„Glücklicherweise habe ich ein Grundstück in Staaken gefunden und konnte es für uns pachten. Es ist ein Grundstück mit 1.000 m². Hier hätte ich gerne ein eigenständiges Zentrum für uns.“ Erzählt er mir und setzte nach: Fällt Dir dazu etwas ein, Anita, wie wir das realisieren können?

Das war der Startschuß für ein Projekt, von dem ich bis dato noch nichts ahnte. Ich überlegte hin und her, fragte Menschen um mich herum aus, was und wie man helfen könne. Schlussendlich bin ich zum Entschluß gekommen: Das wird schwierig, doch nicht unmöglich. Irgendwo hatte ich mal gelesen, nur wer Unmögliches macht, kann Mögliches erreichen.

So entstand Stück für Stück die Idee, das Projekt mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne zu realisieren. Mittlerweile haben wir den ersten Termin an dem wir ein Video mit Unterstützern und Vereinsmitgliedern vorbereiten. Natürlich wollen wir auch Fotos machen. Wie sich herausstellte ist der Eigentümer des Grundstücks super sympathisch und unterstützt das Projekt mit seiner Familie wo er kann.

Die Reise beginnt! Wir werden Euch auf dem Laufenden halten….bis demnächst 🙂 !

 

Kontakte schaffen Leben!

Kontakte schaffen Leben e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, die soziale Integration von Behinderten, Senioren und Alleinerziehenden zu fördern. 

Den ersten Eindruck konnte ich mir in einem ersten Telefonat mit dem Gründer des Vereins,  Marcel Ehrlich verschaffen. Er klang bodenständig, bedacht und alles was er am Telefon sagte, hatte seinen Sinn. Auf die Idee, dass er im Grunde schwerstbehindert ist und im Rollstuhl sitzt, wäre ich nie gekommen! Mein erster Eindruck veränderte sich auch nicht, als wir uns vor Ort kennenlernten. Und doch: Eines der prägnantesten Sätze, die Marcel aussprach war:  „Ich bin immer vordergründig der Schwerstbehinderte!“

Marcel Ehrlich

Das machte im ersten Moment traurig, doch im Grunde ist es ein ihm auferlegtes Vorurteil, welches es gilt aus dem Weg zu schaffen. Es mag sein, dass Marcel – wie so viele Menschen auf Hilfe angewiesen ist. Jedoch hat das nichts damit zu tun, dass sie die Welt mit den gleichen Augen sehen wie wir. Sicher, vielleicht oftmals aus einer anderen Perspektive. Vielleicht sogar noch klarer! Denn für uns ist vieles so selbstverständlich. Doch in unserer Gesellschaft, passiert offensichtlich vieles, was wir nicht immer sehen (wollen) mitbekommen oder wahr nehmen.

Feuer hat er in den Augen, wenn er über Menschen spricht, die ihn und somit den Verein und den Menschen, die in diesem Verein eingetreten sind, unterstützen. Er ist stolz unter Ihnen auch eine  prominente Unterstützerin und Befürworterin für seinen Verein gewonnen zu haben und erzählt:  „Wir haben das große Glück, dass uns Stefanie Wall von der Wall AG unterstützt. Sie hatte im Jahr 2015 für unseren Verein eine Plakatkampagne in Berlin initiiert. Dadurch hat sich die Wahrnehmung ein bisschen verändert. Doch um dauerhaft ernst genommen zu werden, ist es offensichtlich noch ein langer Weg! Und ganz ehrlich, von „auf die Schulter“ klopfen, dass wir gute Arbeit leisten, können wir auch nicht existieren!“

Der Verein lud zum Essen ein. Wie jede Woche. Es war ein kunterbunter Mittag und eine ziemlich agile Truppe. Ich wurde zu Tisch gebeten und wurde von allen Seiten bedient.  Als erstes schoss es aus Pascal heraus: Hallo Anita, was hast Du für ein Handycap? Ich musste grinsen, so einszwei Handycaps habe ich auch. Doch, wäre es nicht wert darüber zu sprechen. Wie ich im Laufe des Mittagessens erfuhr ist Pascal blind. Er hatte einen schweren Motorradunfall hinter sich, lag drei Monate im Koma und hat seither etliche Einschränkungen, die sein Leben komplett auf den Kopf gestellt haben. Dennoch, Pascal wirkt fröhlich, zeigt eine ganz große Portion Humor, man kann ihn nur sofort ins Herz schließen.

Im Laufe der Essensrunde kam ich mit einigen ins Gespräch und versuche Euch mit diesen Zeilen diesen Tag ein wenig näher zu bringen. Mich würde interessieren, warum ihr hier seid, in diesem Verein, fragte ich in die Runde.

Marcel stellt mir Sarah gleich zu Anfang vor. Sie ist die ehemalige Schatzmeisterin und war sehr lange aktiv im Vorstand des Vereins KSLev. Noch heute ist sie für den Verein da und kümmert sich, wo sie kann. Auch ihr kann man eine gewisse Komik und Humor nicht absprechen. Sie scherzt offen, ich bin Schatzmeisterin gewesen, da ist nur nichts drin und lächelt. Sie hat es nicht immer leicht, das merkt man ihr an, offensichtlich hängt jedoch dennoch ein ganz großes Stück Herz beim Verein. Sie  betont, dass sie diesen Job sehr gerne macht.  Marcel hat auch immer sehr viele Ideen, erwähnt sie, doch leider könne sie nicht alles umsetzen. Ein wenig Sarkasmus fließt da schon mit rein, doch ich glaube, es drückt letztendlich auch aus, dass der Verein ein neues Erfolgserlebnis benötigt. 

Gegenüber von mir, schräg rechts sitzt Esther, sie ist ein Alltagsengel. Das bedeutet, dass sie sich  für die Menschen im Verein zur Verfügung stellt. Nein, ein Handycap habe sie nicht. Sie ist da, wenn man sie braucht. Sie verändert den Alltag von Mitgliedern durch einen Spaziergang, einen Zoobesuch oder Restaurantbesuch. Oder einfach nur da sein, zum Nachmittagstee, vorlesen oder zuhören.

Gegenüber sitzt Elvira mit ihrer doch schon sehr betagten Mutter. Die beiden möchten einfach nur unter Menschen sein. Elvira nimmt alle zwei Wochen ihre Mutter zum gemeinsamen Essen mit. Sie genießen die Gemeinschaft, erzählt sie. Herzlich sind alle, einige zurückhaltend. Das passt zu der Kernaussage des Vereins. Es geht hier schließlich um soziale Integration. Jeder ist willkommen. Das ist auch das Credo des Vereins. Aus der Isolation heraus. Ob ausgegrenzt, durch Behinderung, Alter oder alleinerziehend. Egal, dieser Verein nimmt Menschen auf, die nicht alleine sein wollen und eine Gemeinschaft zu schätzen wissen. Natürlich gibt es auch eine Whatsapp-Gruppe zum Austausch.

Julia, sie ist von Geburt an blind wirft ein. „Ich habe es sehr lange im Blindenverein versucht, aber der ist einfach zu groß, ich fühle mich dort nicht wohl, hier ist alles familiärer persönlicher. Während sie spricht, zählt sie gerade das Geld aus der Sammelkasse, denn für das Essen packt hier jeder etwas dazu. Ich bin beeindruckt, da Julia blind ist, fühlt sie offensichtlich die Scheine und Münzen. „Kann mal jemand nachzählen bitte und gibt die Sammelkasse weiter. Irgendwie bin ich beschämt, ich habe mir noch nie einen Kopf darüber gemacht, wie nicht sehende Menschen eigentlich Geld zählen.

Rita, sie ist die Mutter von Schatzmeisterin Sarah. Sie ist Rentnerin und seit 2011 Mitglied im Verein.  „Ich will einfach nur helfen und eine Aufgabe haben. Mir macht es Spaß einfach nur da zu sein und mir Zeit zu nehmen, für jeden Einzelnen.“

Detlef, wuselte die ganze Zeit herum. Er hatte das Essen gekocht und die Küche aufgeräumt. Fast zum Schluß nimmt er sich doch noch Zeit für mich. Wie ich erfahre, ist er der goldene Engel dieses Vereins. „Ich mach alles was der Chef nicht auf die Reihe bekommt“, grinst er. Mit einer kräftigen Portion Humor gehen hier offensichtlich alle miteinander um. Das macht trotz vieler Einzelschicksale sehr sympathisch.

Was habt ihr für Wünsche frage ich zum Abschluß? Gemeinsam träumen Sie von einem eigenen Bus, oder einen Abholdienst, der die Mitglieder mit starken Einschränkungen abholt. Marcel sagt spontan: „Uns ist es wichtig, dass wir die Miete für unsere Gemeinschaftsräume halten können“. Auch ein Zebrastreifen ist auf der Wunschliste. Sehr nachdenklich machte mich dann doch zum Schluß die Aussage von Pascal. „Ich wünsche mir, dass wir nicht wie bares Geld behandelt werden. Es gibt Vereine, die stellen so viele Fragen und wollen letztendlich nur wissen, wieviel Geld sie aus dir rausholen können, sei es Fördermittel oder Pflegegelder. Es geht meist nicht um die Person, genau das ist hier bei Kontakte schaffen Leben e.V. anders.

Vielen Dank an den Verein Kontakte schaffen Leben e.V.  und alle, die an diesem Tag dabei waren und uns einen Einblick gewährt haben. Danke auch für die freundliche Bewirtung und das fröhliche Gespräch.

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